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10.09.17 / Turnen National

«Breti» fliegt wieder

«Breti» hängt den Bretschneider I
Freuen möchte sich Andreas Bretschneider über seine Punktlandung bei der WM-Qualifikation nicht so richtig. «Wozu die große Freude verschwenden an dieser Stelle. Ich bin dabei, das ist schön. Ich war aber die letzten vier Jahre immer dabei beim Höhepunkt. Wir wissen alle, der richtige Wettkampf ist der, der erst noch kommt», sagte der 28-Jährige von der KTV Straubenhardt, der nach außen hin nur wenig Emotionen zeigen wollte. Zu groß war der Druck gewesen, es nach seinen zwei Schulter-OPs rechtzeitig wieder zurück an die Reckstange zu schaffen.

Bretschneider meldet sich zurück
Zuvor hatte Bretschneider seine «Bewerbung» am Reck mit einer Schwierigkeit von 6,6 durchgeturnt, inklusive des «Bretschneider I». Die Anforderungen von Cheftrainer Andreas Hirsch hatte er damit um einen Zehntelpunkt übertroffen. Der Lohn: aus der Hand des Bundestrainers bekam er unmittelbar nach dem Wettkampf als einziger Turner vorab «sein» WM-Ticket überreicht. «Erstaunlich, dass es so funktioniert hat. Da steckt eine Menge Reha und eine Menge Arbeit drin», sagte der Bundestrainer anerkennend. Damit habe Bretschneider eine Medaillenchance. «Unsere Prognose sagt, dass man eine Schwierigkeit von 6,5 braucht, um in die Medaillenränge zu turnen», erklärte der Berliner.

Seit seinen beiden OPs im Dezember und Januar liegt ein langer Weg hinter «Breti Bruchpilot», wie ihn eine große Nachrichtenagentur nach drei missratenen Versuchen in Rio 2016 betitelt hatte. Doch Bretschneider ist ein Kämpfer. Mit einem genauen Plan, der ihn zurück zu alter Weltklasse führen sollte, arbeitete er sich konsequent zurück. «Mitte Mai habe ich wieder mit Reckturnen angefangen. Mein erstes Flugelement habe ich am 9. Juli geschafft. Die erste Doppelschraube habe ich am 10. August gepackt. Von einem Einzelteil bis zu einer Übung ist es aber natürlich noch einmal eine Welt», erzählt er. Nebenbei habe er dann noch viel Kondition gebolzt.

Das alles zusammenzubringen hat Bretschneider sich für die vergangene Woche vorgenommen. «Das hat nicht geklappt. Am Dienstag ist es mir das erste Mal gelungen, die Übung durchzuziehen», sagt er. Am Donnerstag habe es ein zweites Mal funktioniert. «Und am Samstag bei der WM-Qualifikation war es die Dritte. Es war wirklich ganz knapp», räumt Bretschneider ein.

Über seine Verletzung will der Erfinder des bislang schwierigsten Reck-Übungsteils der Turngeschichte aber nicht reden. Zuviel sei über die schon geredet worden. Nur so viel: Keine einfache Zeit sei das gewesen, wie Bretschneider freimütig einräumt. «Am Ende fragt aber niemand danach. Wenn wir bei der Weltmeisterschaft den Arm heben, dann juckt das keinen, ob wir alle Schulter- oder Knie-OPs hatten», ist «Breti» überzeugt.

«Breti»-Autogramme sind gefragt
Den Plan, zunächst nur mit einer Reckübung zurückzukehren, bereut er nicht. «Wir haben gesagt, wenn etwas zu holen ist bei mir, dann am Reck. Wenn man die Weltmeisterschaften turnen will, dann nicht mit irgendeinem mittelmäßigen Mehrkampf. Dann muss man versuchen, eine ordentliche Reckübung anzubieten. Wenn es nicht reicht, dann reicht es eben nicht», erklärte er. Der Fokus, glaubt Bretschneider, sei damit richtig gesetzt. Mit allen anderen Geräten hätte das nicht funktioniert. «Das wäre mit Sicherheit schiefgegangen», glaubt er. Allerdings habe er tatsächlich noch einmal über eine Bodenübung nachgedacht, die er irgendwie hinbekommen hätte. «Aber ich denke, es jetzt so zu machen war richtig», sagte er.

Bis auf die Ringe hat Bretschneider im Training die anderen Geräte bereits getestet. «Ringe lasse ich erst einmal ein bisschen raus. Das ist mit den Schultern am schwierigsten», weiß der gebürtige Chemnitzer. Aber: «Wenn Du sechs Stunden in der Turnhalle rumhängst und dich fast nur um das Reck kümmerst, dann gibt es auch Verschleißerscheinungen an den Händen und anderen Körperteilen», sagt er hebt wie zum Beweis sein Hände, die von der ein oder anderen Blase gezeichnet sind.

«Breti 2» in Cottbus?
Den «Bretschneider II» (mit gestreckter Doppelschraube) bei der WM als neues Übungsteil zu präsentieren hält er in Montreal für ausgeschlossen. Der Grund: in der kanadischen Metropole wird an Geräten der Marke Gymnova geturnt. «Das hat man 15 bis 20 cm weniger Flughöhe. Das wird nicht funktionieren», lautet Bretschneiders Erfahrung. Der Bretschneider II sei bereits an einem Reck von DTL-Ausrüster Spieth ein «High-End»-Teil. In seinem Kopf spielt dieses Übungsteil derzeit daher noch «keine Rolle».

Beim Turnier der Meister in Cottbus (23. bis 26. November) jedoch, einem Turnier «mit einem ordentlichen Spieth-Reck und einem Wettkampf, der mir halbwegs gut gefällt» will der Herr des Luftraums über dem Königsgerät dann vielleicht noch einmal darüber nachdenken, einen weiteren Versuch des «Bretschneider II» zu wagen.
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