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01.09.17 / Turnen International

Universiade in Taiwan - ein Abenteuer

Die Universiade 2017 in Taipeh war für alle teilnehmenden Athleten ein unvergesslicher Meilenstein in der sportlichen Laufbahn. Das zumindest denken die Turnerinnen und Turner aus der Deutschen Turnliga (DTL), die beim größten Multisportevent nach den Olympischen Spielen teilgenommen haben.

Florian Lindner in Taipeh
«Insgesamt war es für mich - trotz der Verletzung - ein Riesenerlebnis, bei so einem Event dabei sein zu dürfen», sagte Florian Lindner vom TSV Monheim. Der 25-Jährige hatte Pech und sich in der Qualifikation eine Muskelverletzung zugezogen. Der interkulturelle Austausch zwischen den Sportlern spielte bei der Universiade wie immer eine große Rolle. Kein Wunder, denn mit rund 13.000 Teilnehmern aus über 150 Nationen sind die Weltspiele der Studierenden eine riesige Plattform, die ganz ohne den olympischen Medienhype und Leistungsstress auszukommen scheint. «Es war großartig sich mit anderen Sportarten und Sportlern austauschen zu können. Das hat mit natürlich auch was für die Zukunft mitgegeben», sagt Lindner.

Kim Bui bei der Eröffnungsfeier
Dass die Eröffnungsfeier beinahe zu scheitern drohte, verpasste Lindner allerdings, da er am nächsten Tag bereits Wettkampf hatte. Nach der zehnten Nation liefen plötzlich keine Sportler mehr ins Stadion ein. Fast eine Stunde lang wurden ohne weitere Erklärung nur noch Nationalflaggen hereingetragen. Grund waren Proteste vor dem Stadion gegen eine Reform der Beamtenpensionen in Taiwan. Doch die Proteste fanden irgendwann ein Ende und die Athleten strömten wieder unter großem Jubel und in geballter Form ins Stadion.

Pauline Tratz und Leah Grießer
Live dabei bei der Eröffnungsfeier war Leah Grießer von der TG Karlsruhe-Söllingen. Auch für sie war die Universiade ein herausragendes Erlebnis. Grießer hatte für ihren Start in Taiwan sogar nach bestandenem Abitur und kurzer Überlegung eine Tour mit der gesamten Familie durch die Rocky Mountains abgesagt. Bereut hat sie die Entscheidung keine einzige Minute. «Ich habe so viel gesehen, so viele neue Leute kennengelernt. In einem Athletendorf zu wohnen und Teil einer so großen Sportveranstaltung zu sein, dass ist einzigartig. In Urlaub fahren kann man ja noch oft», findet sie.

Wasserfälle Shifen in Taiwan
Während die Mehrheit der Turner schon bald nach den Wettkämpfen wieder abreiste, blieben Grießer und die Stuttgarterin Kim Bui bis zur Schlussfeier. Das gab den beiden Bundesligaturnerinnen Raum, die Insel im südchinesischen Meer zu erkunden. Gemeinsam mit Bui schlug sich Grießer auf eigene Faust zu einem Nationalpark im Norden durch. «Kim hat gegoogelt und herausgefunden, dass es da spektakuläre Wasserfälle gibt. Also sind wir einfach mit dem Zug losgefahren und haben uns durchgefragt», erzählt sie und berichtet von spektakulären Gesteinsformationen, herrlicher Natur, aber auch von der Freundlichkeit und großer Hilfsbereitschaft der Menschen. Unterwegs habe man sich mit zwei Taiwanerinnen angefreundet, die denselben Weg hatten. «Wir haben uns viel mit denen ausgetauscht. Das hat für mich den Tag zum besten Tag der ganzen Universiade gemacht». Verliebt hat sich Grießer übrigens dort auch: in die Pandas und Koala Bären im Zoo von Taipeh. «Das sind Tiere, die man in Deutschland nicht unbedingt sehen kann», war sie entzückt.

Kulinarische Abenteuer in Taiwan
Auch kulinarisch war Taiwan für die Sportler hin und wieder sehr abenteuerlich. «Außerhalb des Athletendorfes habe ich das eine oder andere Mal etwas probiert, frittierter Tintenfisch zum Beispiel. Aber was doch zu komisch aussah, hab ich dann auch lieber gelassen», schmunzelt Lindner, der zwischen den ganzen ungewohnten Spezialitäten eher vorsichtig agierte. Mutiger war da schon Grießer, die sich schon im chinesischen Nanning 2014 an allerlei Exotischem versuchen durfte. In Taiwan jedoch entdeckte sie ihre Liebe für Miso-Suppen. «Die sind der Wahnsinn. Ich werde schauen, ob ich zuhause nicht auch so etwas bekommen kann», sagte die 19-Jährige. Auch die unglaubliche Vielfalt an Tofu-Sorten beeindruckte sie. «Nicht alle Varianten, aber manche waren echt gut», sagte sie.

Mit über 12 000 Menschen zelebrierten Bui und Grießer dann die Abschlussfeier, die aus vier Teilen bestand: «Indie Formosa», «Taipei Loves You», «Homage to Naples» und «Brand New Start». Am Ende der Feier wurde die Universiade-Flamme gelöscht. In Anlehnung an die taoistische Zeremonie «die Götter verabschieden» schritt eine Prozession von Erwachsenen und Kindern, die sich als Gottheiten kostümiert hatten, über das Spielfeld im Stadion und kam zum Stillstand, als das Feuer ausging. Eine farbenprächtige Lichtershow und ein Feuerwerk rundeten den Abend und eine spannende Zeit für die verbliebenen deutschen Universiade-Teilnehmer dann ab.
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