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05.10.17 / Turnen International

Aus Neu mach Alt - und Alt II

Tabea Alt hat in Montreal nicht nur als Siegerin in der Qualifikation am Balken überrascht. Denn im Gepäck hatte neben dem angekündigten neuen Übungsteil am Stufenbarren gleich noch ein Zweites. «Um ehrlich zu sein, wusste ich bis gestern gar nicht, dass es das Element noch gar nicht gibt», erzählte Alt. Erste Anzeichen dafür hatte die 17-Jährige sie kurz zuvor schon der Alt'schen Familien-WhatsApp-Gruppe entnommen. «Mein Vater hat etwas von Alt 2 gepostet. Ich hab mir gedacht, Alt 2? Hat er sich jetzt vertippt?», sagte sie. Auf der FIG-Seite habe sie dann gesehen, dass das der «Alt II» dort ebenfalls als neues Element erläutert worden war.

Der Alt II - der neue Abgang
Geboren wurde der Alt II eigentlich aus der Not. «Es war so, dass ich immer einen Doppelstreck-Salto als Abgang geturnt habe. Ich hatte aber lange Zeit Probleme damit. Denn seit ich gewachsen bin, haben sich meine Hebel verändert. Ich hatte seitdem immer Probleme», erklärte die Gymnasiastin aus Ludwigsburg, die diese Nachteile aber mit großem Können kompensierte. «Im Wettkampf hat es dann fast immer geklappt», sagte sie. Eine Woche vor der zweiten Qualifikation zur WM beschlossen Alt und das Trainerteam in Stuttgart, dann dennoch kurzfristig zu handeln. «Wir haben gesagt, wir suchen jetzt nach einer Notlösung und bauen den Abgang neu auf - allerdings nach der WM. Vor allem eben, um mir den Stress vor den Wettkämpfen zu nehmen. Der war einfach ätzend und auch mental schlimm», räumte Alt ein.

Der Alt - das erste neue Element
«Unterschwung Halbe» lautete die erste Idee, zunächst aus dem Bückumschwung. «Das darf ich aber nicht mehr, weil man nach den Regeln ja nur noch eine bestimmte Anzahl an Elementen aus einer Gruppe machen darf», erklärte Alt. Der zweite Ansatz lautet, es aus dem Stalder zu versuchen. Und das hat offenbar außer Alt noch niemand als Abgang geturnt. Der von Beginn an geplante Alt I stand dagegen auf des Messers Schneide. Denn Alt war bei ihrer Stufenbarrenübung etwas aus dem Rhythmus geraten, musste beim Schapo sogar vom Gerät. «Beim Flug von unten nach oben war eigentlich jeder zu kurz. Ich kam schon unruhig in das Element rein», sagt Alt, die ihren «Alt I» dennoch an den Holm brachte.

So gab die Bundesligaturnerin selbst dem eigentlich verkorksten Auftritt am Stufenbarren noch einmal eine überaus positive Wendung. «Das ist jetzt so ein kleines Trostpflaster für mich. Ich bin jetzt einfach froh, dass beide Elemente geklappt haben», sagte sie. Und dass Alt neben einer Erfinderin von neuen Flugelementen auch noch eine überragende Stufenbarrenturnerin ist, kann sie ja noch am Freitag im Mehrkampffinale beweisen.
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