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06.10.17 / Turnen International

Verniaiev verpasst Titel, Herder mit Licht und Schatten

Mehrkampfstar Oleg Verniaiev vom deutschen Vizemeister TG Saar hat dem Titeldruck bei den Weltmeisterschaften im kanadischen Montreal nicht standgehalten. In Abwesenheit des verletzten sechsfachen Titelträgers Kohei Uchimura musste der Barren-Olympiasieger von Rio 2016 im Mehrkampffinale am Donnerstag gleich mehrfach vom Gerät und landete am Ende mit 83,997 Punkten auf einem für ihn enttäuschenden achten Platz. Neuer Mehrkampf-Weltmeister wurde der Chinese Xiao Ruoteng mit 86,933 Punkten, der am letzten Gerät Reck dem führenden Russen David Belyavskiy den Titel noch abjagte, als dieser vom Reck stürzte. Silber gewann Ruotengs Landsmann Lin Chaopan (86,448) vor dem Japaner Kenzo Shirai (86,431).

Deutschlands Cheftrainer Andreas Hirsch zeigte sich beeindruckt von den sportlichen Leistungen im Mehrkampffinale. «Wir haben vorne wirklich Könner am Werk. Wenn man in die Einturnhalle blickt, ist da kein Üben mehr angesagt, die kontrollieren sich noch kurz und das war es. Die Präzision und die Nervenstärke waren beeindruckend aus meiner Sicht», stellte der Berliner fest. Kritisch hinterfragte Hirsch die milden Wertungen der Kampfrichter bei Verniaiev. «Wenn einer drei Mal vom Gerät geht und dann trotzdem noch Achter wird - ich kann mir nicht vorstellen, dass die Nummer, neun, zehn und elf so viel schlechter waren», sagte er.

Auch der deutsche Vizemeister Philipp Herder vom Bundesligisten Siegerländer KV verpasste seine eigene Zielvorgabe mit 80,166 Punkten um drei Plätze und reihte sich nach einem dicken Patzer am Sprung (13,000/D:5,2) als 18. im Feld der besten 24 Turner ein. «Am Sprung hat es hat von vornherein nicht ganz gestimmt, der Anlauf war nicht gut, ich bin ein bisschen ins tippeln geraten. Ich habe den Abdruck nicht richtig erwischt, meine Beine nicht ganz bekommen, ich habe gedacht, jetzt ziehst du bis es nicht mehr geht und dann bin ich unten noch ein bisschen mit dem Fuß weggerutscht», ärgerte sich Herder.

Sein Trainer Robert Hirsch versuchte danach, den Schützling mental im Rennen zu halten. «Wir haben uns gesagt, wir nehmen diese negative Energie mit zum Barren und versuchen sie dort in positive Energie umzuwandeln. Das ist uns da gelungen. Man hofft immer nach so einem Fehler, dass es dann nicht drei oder vier werden. Aber ich finde, in diesem Fall hat er gut reagiert und den Wettkampf vernünftig fortgesetzt», lobte er.

Trotz des Malheurs am Sprung betrachtete Herder am Ende seine Mission in Montreal als erfolgreich beendet. «Im Großen und Ganzen bin ich trotzdem zufrieden. Ich habe die Übungen bis auf den Sprung perfekt getroffen», resümierte er. Und ein halber Punkt mehr hätte Platz 14 bedeutet. Über manche seiner Wertungen grübelte der Olympia-Ersatzturner jedoch noch bis in den späten Abend. «Am Pferd habe ich relativ wenig Punkte bekommen, am Barren genauso. Warum, weiß ich nicht. Kann ich nicht ganz nachvollziehen», sagt er.

Der Bundestrainer konnte mit dem Ergebnis am Ende ebenfalls ganz gut leben. Hirsch hofft nun aber vor allem auf einen mentalen Schub bei dem 24-Jährigen. «Herder konnte nicht mehr mit der Arschbombe rausholen, was will er machen. Er hat sich aber gefangen, dass spricht für seinen Charakter und seine Qualitäten, das muss man sagen. Er hat uns unter diesen Bedingungen, die wir hatten, so vertreten. Er hat uns ins Finale gebracht, da will ich nicht meckern», betonte Hirsch. Auch die Guten hätte Fehler gemacht, da müsse man das auch Herder zugestehen. «Auch wenn es schön gewesen wäre, er hätte keinen gemacht. Danach war alles ein möglichst nicht Untertauchen, sondern den Kopf über Wasser halten», sagte er.

Oleg Verniaiev (TG Saar)

Gesamt: 83,997 Punkte, Platz 8 || Sprung (13,766/D:6,2) | Pauschenpferd (13,333/D:6,4) | Ringe (14,566/D:6,1) | Sprung (14,833/D:5,6) | Barren (14,966/D:6,7) | Reck (12,533/D:5,7)

Philipp Herder (Siegerländer KV)

Gesamt: 80,166 Punkte, Platz 18 || Sprung (14,133/D:5,8) | Pauschenpferd (12,833/D:5,3) | Ringe (13,500/D:5,5) | Sprung (13,000/D:5,2) | Barren (14,100/D:6,0) | Reck (12,600/D:5,3)
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