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03.02.18 / Turnen International

Valeri Liukin tritt als US-Teamchef zurück

Valeri Liukin & Martha Karolyi
Das Frauenturnen in den USA kommt weiter nicht zur Ruhe: Am Freitag trat Valeri Liukin überraschend als Koordinator des US-Teams zurück. In einer von ihm selbst verbreiteten Erklärung schrieb Liukin, dass er sein «ganzes Leben lang Turnen geliebt» habe, aber dass es nun an der «Zeit sei, in eine andere Richtung zu gehen, zumindest für den Moment». Der 51-Jährige Doppel-Olympiasieger von Seoul 1988 hatte das Amt erst nach den letzten Olympischen Spielen von Rio im September 2016 als Nachfolger von Martha Karolyi angetreten. Der US-Verband bestätigte den Rücktritt und kündigte an, schnellstmöglich das Ausschreibungsverfahren für einen Nachfolger zu eröffnen.

Als Hauptgrund für seinen Schritt führte Liukin die heftigen Turbulenzen an, in der sich der US-Verband seit der Aufdeckung des beinahe zwei Jahrzehnte andauernden Missbrauchfalls um den mittlerweile verurteilten USAG-Teamarzt Larry Nassar befindet. «Ich habe mich wirklich darauf gefreut, dieses Programm umzusetzen und unserem Land und der Turner-Community Erfolg zu bringen», schrieb Liukin. «Aber das gegenwärtige Klima verursacht mir und vor allem meiner Familie viel zu viel Stress, Schwierigkeiten und Unsicherheit.»

Dem Turnen will der gebürtige Russe, der den WOGA Club in Plano/Texas besitzt, jedoch weiter treu bleiben. Laut Liukins Tochter Nastia hatte dieser zunächst angedacht, diesen dem US-Nationalteam als «sicheren Platz» vorübergehend zur Verfügung zu stellen, nachdem sich unter anderem die viermalige Olympiasiegerin Simone Biles geweigert hatte, auf die bis dahin als Nationales Trainingscenter genutzte Karolyi-Ranch in Texas zurückzukehren.

Am Freitag jedoch vollzog Liukin die Wende. «Ich wünsche den Trainern und Athleten weiterhin viel Erfolg, und ich bin bereit, sie alle aus einem anderen Blickwinkel zu ermutigen und zu unterstützen», verabschiedete er sich in dem Schreiben. Liukin selbst wurde im Nassar-Prozess in keiner der Klagen erwähnt oder gar belastet. Es gibt auch keinerlei Hinweise darauf, dass er von einem Fehlverhalten wusste. Dennoch sah auch er sich nun mit Vorwürfen ehemaliger Turnerinnen konfrontiert. So machte ihn die ehemalige Turnerin Mattie Larson, die 2010 im WM-Team der Amerikaner stand, während ihrer Opfer-Aussage im Prozess mitverantwortlich. Sie sagte aus, auch er habe durch sein Verhalten zu der Kultur beigetragen, die Nassar überhaupt erst zum Erfolg verholfen habe.

Marenghi's Post
Wie tief die Narben im US-Turnsport sind, zeigt auch ein Kommentar der ehemaligen WOGA-Turnerin Megan Marenghi. Sie fasste ihre Gefühlslage nach Liukins Rücktritt in einem bitteren Beitrag auf Instagram drastisch zusammen. «Das ist doch der Beweis, dass das Schicksal wirklich ein Miststück ist… Dass ich jahrelang angeschrien wurde und mir gesagt wurde, ich sei fett, wertlos und dumm, hat mit Sicherheit bei mir emotionale Schäden hinterlassen. Das Schlimmste jedoch, was mir gesagt wurde, war dass ich niemals irgendwelche Ziele in meinem Leben erreichen würde, weil ich «faul» sei. Valeri, Du magst vielleicht meine Kindheit ruiniert haben, aber das beste Gefühl der Welt ist, zu wissen, dass ich es Dir armseeligen Arsch bewiesen habe und zu einem widerstandsfähigen, zähen, erfolgreichen Erwachsenen herangewachsen bin», ließ die heute 23-Jährige ihren ehemaligen Coach wissen. Marenghi hatte ihre sportliche Karriere 2013 nach einer Knieverletzung beenden müssen.
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