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10.06.18 / Frauen

Was macht eigentlich: MARLENE BINDIG?

Marlene Bindig
Es war eine Geschichte, wie sie eigentlich nur der Sport schreiben kann: Obwohl gar nicht für das Gerätefinale qualifiziert, hat sich Marlene Bindig 2015 als Ersatzstarterin sensationell für den Dresdner SC den deutschen Meistertitel am Boden geholt. Sie turnte die Bodenübung ihres Lebens, nicht wenige sprechen noch heute von der schönsten Übung aller Zeiten. Zwei Jahre später beendete sie ihre aktive Laufbahn in der Bundesliga, fokussiert sich seitdem auf ihr Studium für Sport-, Tourismus- und Eventmanagement im norditalienischen Bozen. Wie ihr das Leben ohne Turnen bekommt, wie sie ihre Karriere im Rückblick sieht und ob sie sich eine Zukunft im Turnsport vorstellen kann - wir haben nachgefragt!

Frage: Was macht eigentlich Marlene?

Marlene: «Ich muss zugeben, momentan passiert nicht viel Spannendes. Die Uni läuft, es gibt einige Teamprojekte. Sportlich ist es auch ganz ruhig. Ein bisschen Fitnessstudio tut meinem Körper tatsächlich ganz gut. Leider klappt es nicht, dass ich hier irgendwo turnen kann. Ich habe überlegt vielleicht im nächsten Semester mit ein paar Mädels ein Tanzkurs oder ein Tanzprojekt zu starten. Aber ich habe mich noch nicht richtig dahinter geklemmt. Weil ich mich immer noch ein bisschen in der Phase des Einlebens befinde.»

Frage: Wie lebt es sich denn für eine ehemalige deutsche Meisterin so ganz ohne Turnen?

Marlene: «Es ist gemischt. Auf der einen Seite würde sich das wahrscheinlich mit alldem gar nicht vereinbaren lassen, was so drum herum passiert. Auf der anderen Seite fehlt mir das Turnen schon ganz schön. Diese erste Euphorie-Phase ist jetzt weg. Die war nach der Bundesliga extrem. Mittlerweile bin ich so ein bisschen wehmütig. Turnen hat mir nicht nur in sportlicher Hinsicht viel gebracht, sondern einfach auch persönlich. Was auch wirklich eine ganz tolle Sache am Sport ist, man weiß einfach, wo man steht. Man hat einen bestimmten Stand an dem man sich messen kann. Das ist zum Beispiel etwas, was mir an der Uni sehr fehlt. Man hat ja eigentlich nie ausgelernt. Das ganze Jahr oder diese paar Monate bis zum Semesterende bzw. bis zur Prüfung passiert eigentlich nichts – außer dass man in die Vorlesung geht und sich dann zu Hause hinsetzt. Da hätte ich dann gerne wieder Wettkämpfe - als Gradmesser, wo man gerade steht.»

Frage: Hast du das Gefühl, Dich in deiner Zeit in Südtirol geändert zu haben? Oder bist du immer noch die alte?

Marlene: «Also in Sachen Haushalt auf jeden Fall selbstständiger. Da war ich vorher wirklich viel von meiner Mutter abhängig. Es kommen manchmal noch so lustige Nachrichten an die Mama, bei denen sie auch wahrscheinlich ein bisschen schmunzelt, wenn ich eine Frage zur Waschmaschine oder zu irgendeinem Rezept habe. Aber auch insgesamt bin ich lockerer geworden.»

Frage: Fehlt Dir die Regelmäßigkeit und der Alltagstrott im Turnen oder genießt du eher die neue Freiheit?

Marlene: «Das ist auch wieder so ein Zwiespalt. Manchmal frage ich mich dann doch an den freien Tagen, was ich mit dem halben oder ganzen Tag anfangen soll. In solchen Momenten würde ich mir schon eine klare Struktur wünschen. Gewissermaßen war das Sportliche auch immer eine Verpflichtung, die im Alltag mit drin war. Auf der anderen Seite bin ich kein Mensch ohne Freunde und ich genieße die Zeit. Es hat natürlich auch in Bruneck echt schöne Spots, wo man sich am Wasser aufhalten oder in der Sonne liegen kann. Man kann schöne Touren machen oder einfach schöne Sachen erleben. Im Winter hatte ich auch eine Saisonkarte zum Skifahren. Dann hat man natürlich auch noch Uni-Events, an denen ich teilnehmen kann ohne überlegen zu müssen, ob ich da einen Wettkampf habe oder ob das in einer Phase ist, in der ich mir nicht so viel Freizeit gönnen kann. Das sind halt schon coole Sachen, die man jetzt einfach mitnehmen kann, ohne groß darüber nachzudenken.»

Frage: Ist das Sixpack noch da?

Marlene: «Ich hatte nie einen. Ich muss aber zugeben, momentan fühle ich mich recht wohl in meinem Körper. Ich bin sehr froh, dass der Muskeltonus Schulter- und Rückenbereich sich reduziert hat, ich aber trotzdem definiert bin. Jetzt fühle ich mich graziler als noch zu Turnzeiten. Und so fühle ich mich gut und wohl.»

Frage: Der Körper ist also immer noch eine wichtige Geschichte für Dich?

Marlene: «Auf jeden Fall. Das ist auch wirklich was, auf das ich stolz bin. Mit meinem Sport so eine Grundlage geschaffen zu haben.»

Frage: Wie muss man sich Marlene Bindigs Uni-Alltag vorstellen? Mit wem hängst du so ab?

Marlene: «Bevor die Uni los geht, werden alle Deutschen in einen Kurs gepackt, die noch kein Italienisch können. Das ist so die allererste Instanz bevor die Uni tatsächlich beginnt. Da knüpft man dann natürlich schon erste Kontakte. Bei uns hat sich die Truppe bisher ganz gut gehalten. Das sind eigentlich nur Mädels. Eine ganz schön bunt durchgemischte Gruppe, aber eine lustige. So viele unterschiedliche Charaktere. Ich habe mir nie vorstellen können, das ich so locker mit Leuten umgehen kann, die ihr ganzes Leben lang was völlig anderes gemacht haben als ich. Die sich vielleicht ein bisschen an den Kopf greifen, wenn ich denen erzähle, dass ich mich jeden Tag sechs Stunden in die Halle gestellt und trainiert habe. Und bei denen ich mir vielleicht an Kopf greife, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie es ohne so etwas ging.»

Frage: Ist da bei dir so eine Änderung im Bewusstsein aufgetreten, weil Du deine Umgebung geändert hast? Hast du auch mal Sinn und Unsinn Deiner eigene Karriere hinterfragt?

Marlene: «Ja, es hat sich um 180 Grad gedreht. Alles. Ich habe mich gerade in der letzten Zeit häufig mit solchen Fragen auseinandergesetzt. Auch mit mir selbst. Jetzt, nach einem Dreivierteljahr vor sich hin studieren, hat es auch bei mir nochmal ‚klick‘ gemacht. Ein Studium ist so schnell vorbei, gerade im Managementbereich. Wenn ich jetzt nicht anfange, in irgendeine Richtung hinzuarbeiten, stehe ich vielleicht nach drei Jahren da, mache dann noch zwei Jahre meinen Master irgendwo, weiß aber eigentlich gar nicht, wo ich hinkomme. Ich habe mich gefragt, ob ich das hätte nicht viel eher angehen sollen. Daraufhin habe ich mit einigen Leuten gesprochen und bin eigentlich zu dem Schluss gekommen, dass Turnen mir in ganz vielen Bereichen geholfen hat. Ich bin ja jetzt so wie ich bin, weil ich das eben 16 Jahre lang so intensiv betrieben habe. Ich war Schülersprecherin und im Schülerrat. Ich war immer sehr aktiv und kann mir jetzt eigentlich im Nachhinein nicht vorstellen, was ich hätte großartig anders machen sollen. Man ist ein Kind, man ist jugendlich. Diese Weitsicht muss man auch erst entwickeln. Ich finde, dass dies gerade ein schöner Prozess ist, den ich bei mir selbst beobachte.»

Frage: Du hast nicht das Gefühl irgendwas verpasst zu haben?

Marlene: «Ich habe mir schon oft gedacht, dass ich in meiner Jugend nicht so viel erlebt habe. Aber trotzdem habe ich tolle Wettkämpfe gehabt und coole Leute kennen gelernt. Ich war mal bei einer WM-Qualifikation, selbst wenn das ein chancenloser Start war. Aber so nah dran zu sein, das waren eigentlich schon alles tolle Erfahrungen. Meine Titel und Medaillen kann mir nie jemand nehmen. Ich kann vielleicht nicht 100 verschiedene Sachen erzählen, aber ich kann mich dafür mit solchen Erfolgen schmücken. Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die ich bekommen und genutzt habe.»

Frage: Die wohl «schönste Bodenübung, die es jemals gab», wie manche Experten behaupten?

Marlene: «Es ist eine schöne Sache, da so einen kleinen Denkanstoß gegeben zu haben. Es muss nicht immer sein, wahnsinnig schwierig zu turnen. Man kann auch mit etwas schönem, bezaubernden vorwärts kommen. Ich bilde mir ein, dass es schon den ein oder anderen ein bisschen mitgezogen und vielleicht sogar ermutigt hat, in eine ähnliche Richtung zu gehen.»

Frage: Du willst Deine Schwerpunkte definitiv auf das Berufliche legen. Kannst du dir einen Weg in den Sport zurück vorstellen?

Marlene: «Absolut, wenn ich die Möglichkeit während meines Masters habe. Ob ich jetzt in ein Fitnessstudio gehe oder in einen Sportverein, in dem ich was mache. Auch wenn ich mir bewusst bin nicht mehr in diesem Leistungsbereich zu kommen.»

Frage: Würdest du auch dein berufliches Know-How irgendwann ins Turnen stecken wollen? Das Turnen voranbringen, revolutionieren oder gar retten?

Marlene: «Gute Frage. Ich glaube, dass meine Ziele sich verschoben haben. Ich habe wirklich viel Zeit und Emotionen ins Turnen investiert. Jetzt freue mich einfach auf neue Herausforderungen. In einem anderen Bereich. Ich würde das gerne Personen überlassen, die da mehr Herzblut reinstecken können, als ich das jetzt gerade im Moment könnte.»
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17.11.2. / 3. Bundesliga Männer, 7. Wettkampftag

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3.TZ DSHS Köln26:16551,80
4.TG Karlsruhe-Söllingen24:18551,50
5.TG Mannheim20:22545,05
6.SSV Ulm16:26536,60
7.TSG Steglitz6:36517,75
8.Dresdner SC2:40515,25