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06.04.18 / Männer

Sebastian Krimmer ist zurück

Stuttgarts Sebastian Krimmer.
Nach zehn Monaten und vier Tagen war es endlich soweit: Sebastian Krimmer hob die Hand und meldete sich am Samstag für den MTV Stuttgart im Bundesligaduell gegen die KTV Obere Lahn zu seiner Bodenübung an. Hinter dem 27-Jährigen Backnanger liegt eine lange Reha-Zeit. Ein Riss der berühmt-berüchtigten Supraspinatussehne in der Schulter, die auch Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen vor den Spielen beinahe zum Verhängnis geworden wäre, wurde in einer mehrstündigen Operation wiederhergestellt. «Meine Planung war, im Juni wieder meinen ersten Mehrkampf zu turnen. Für die EM Qualifikation und um einen Leistungsnachweis zu erbringen», erzählt Krimmer.

Dass er dem mit seinem Auftritt am Boden schon vorgegriffen hat, ist der dramatischen Personalnot beim Tabellenschlusslicht MTV geschuldet. «Wir hatten das Problem, dass sich der Alexander Maier diese Woche auf Grund eines Hexenschusses auch noch rausgenommen hat. Wir konnten einfach keine vier Starter ans Gerät bringen. Da ich auch immer mit in die Taktik involviert bin, habe ich mir gedacht, gut, irgendjemand muss ja turnen», erinnert er sich.

Ein gesundheitliches Risiko habe es bei seinem Einsatz aber nicht gegeben. «Boden geht, das kann ich auch mit meiner Schulter schon länger trainieren. Das war nicht das Problem. Ich habe mir eine Übung zusammengestellt und die hat dann auch Gott sei Dank gut funktioniert», freut sich der MTV-Kapitän. Ein bisschen habe noch die Routine hat gefehlt. Und auch auf Flic Flacs oder Halteelemente verzichtete er sicherheitshalber. «Ich habe hauptsächlich Absprünge gemacht, bei denen ich die Schulter nicht belaste», erklärt er.

Als weniger erfreulich empfand der Sportsoldat den Umstand, dass die Punkte trotz seines Boden-Comeback bei der Oberen Lahn blieben. Doch angesichts des Zustands der Stuttgarter Riege war das auch nur von unverbesserlichen Optimisten anders zu erwarten. «Wir hoffen jetzt, dass wir die erste Hälfte in Cottbus noch überstehen, und in der zweiten Hälfte wollen wir dann die Wettkämpfe auch wieder gewinnen», verspricht Krimmer. Die Sommerpause komme da gerade zur rechten Zeit. «Die brauchen wir auch, damit wir aus dem Loch, indem wir gerade sind, wieder herauskommen», glaubt er. Danach sei schon wieder die WM im Fokus. «Und hinten hinaus will ich dann natürlich auch die Liga wieder voll mitnehmen».

In Backnang haben Krimmers Comeback und zwei Bundesligadebüts den zuletzt trudelnden MTV wieder etwas stabilisiert. Aus den ehemals «fantastischen Vier» wurden am vergangenen Wochenende zumindest wieder «glorreiche Sieben», das war deutlich spürbar. «Da hat man gleich gemerkt, da gibt es eine andere Stimmung im Team. Auch die Jungen mit Lewis Trebing und Luca Pollin, die bringen einfach einen neuen Schwung rein und eine neue Lust. Das wollen wir jetzt mitnehmen und dann sehen, wie wir uns in Cottbus präsentieren können», sagt er.

Denn eine Mannschaft, sagt Krimmer, habe es in solchen Verletzungsphasen unglaublich schwer, richtig zusammenzuwachsen. «Im Wettkampf haben wir mittlerweile viele Turner, die das nicht mehr hauptberuflich machen. Sondern neben Job oder Studium. Das ist schwierig, denn die kämpfen dann in jedem Wettkampf ums Überleben», weiß er. Da könne einfach keine richtig gute Stimmung aufkommen, selbst wenn man es wolle. «Da fehlt einfach die Leichtigkeit und die Abwechslung im Team», fügt er hinzu.

Alternativen zu Krimmers Genesung gibt es beim MTV in dieser Saison ohnehin nicht mehr. «Wir können leider auf dem Transferweg nicht mehr nachrüsten, denn wir haben unsere beiden Transfers aufgrund der Verletzungen schon ausgeschöpft. Und deutsche Turner gibt es ja leider auch nicht», bedauert er.

Ausgerechnet im wiedererstarkten Cottbus nun ein kleines (Lebens-)Zeichen setzen zu können, wird für die MTV-Riege allerdings auch mit der derzeitigen Leistungsfähigkeit am Samstag kein leichtes Unterfangen. «Da wird es viel auf die Taktik und die Stabilität ankommen», glaubt Krimmer. Doch als Kandiaten für den Abstieg sieht er den MTV Stuttgart noch längst nicht. «In der zweiten Saisonhälfte gehen wir einfach davon aus, dass Sebastian Krimmer, Felix Pohl, Alexander Maier, Daniel Weinert wieder ins Team zurückfinden. Und dann sind wir wieder so aufgestellt, dass wir zu den besten Mannschaften der Liga gehören», ist er sich sicher.
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