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22.03.18 / Frauen

Ich habe das Gefühl, dass ich immer noch weiter lerne...

Interview mit Elisabeth Seitz vom MTV Stuttgart über den Spaß an Mannschaftswettkämpfen in der Bundesliga, über Lernprozesse im Leben einer Turnerin, über das Gefühl für den eigenen Körper, die Faszination Japan, ihre Liebe zu Sushi und ihre Zukunft als Lehrerin.

Elisabeth Seitz vom MTV Stuttgart.
Zu Weihnachten war Elisabeth Seitz nach einer Fuß-OP noch auf Krücken unterwegs, am vergangenen Wochenende feierte sie vor einem begeisterten Publikum in der Stuttgarter Porsche Arena ihren zweiten Platz unter den Mehrkampfköniginnen der Turnszene. Am kommenden Samstag wird die 24-Jährige auch für den MTV Stuttgart beim zweiten Bundesliga-Wettkampftag (18:00 Uhr) in Waging am See an den Start gehen. Wie sie den Spagat zwischen den internationalen und nationalen Bühnen bewältigt erzählte sie im Gespräch mit dem Online Portal der DTL.

Am vergangenen Wochenende noch Weltcup in der Porsche Arena Stuttgart vor fast 5000 Zuschauern, Fan- und Medienhype, strahlende Zweite auf dem Podest. Kommendes Wochenende vielleicht nur ein Bruchteil davon in der Bergader Sportarena im idyllischen Bayern – braucht es da noch einmal extra Bundesliga-Motivation?

«Neue Motivation nicht, eher wieder neues Kräftesammeln. Weil gerade der DTB-Pokal in Stuttgart relativ anstrengend ist, weil man einfach auch für die Fans da sein will. Es gibt mehr Aufmerksamkeit und dementsprechend ist natürlich auch rund um den Wettkampf mehr los. Aber auch der Wettkampf selbst ist sehr anstrengend. Es ist eben einfach was anderes. Die Bundesliga macht aber auch extrem viel Spaß und Freude. Man kann mit seinem Team an den Start gehen, mit dem man tagtäglich zusammen trainiert. Und das passiert ja sonst unter dem Jahr eigentlich nicht. Ich finde, dass es genau das Spezielle und Schöne daran ist».

Elisabeth Seitz
Und trotzdem muss man dafür einige lange Kilometer im Auto hinter sich bringen…

«Bei einer nationalen Liga ist das eben so. Letzten Endes ist es ja auch mein Job. Aber ich sag immer, man kann so oder so denken. Man kann sagen: ‚so ein Mist jetzt muss ich mich wieder stundenlang ins Auto setzen und alles ist so anstrengend‘ oder ich sage eben ‚Bundesliga ist eben was anderes als ein Weltcup, aber es ist eben auch was Tolles, was Spezielles‘. Ich muss selbstverständlich auch aufpassen, dass ich bei meinen Kräften bzw. gesund bleibe. Bundesliga ist anders, aber jetzt nicht mit einem weniger hohen Stellenwert oder mit weniger hohen Motivation verbunden».

Das heißt, Du wirst auch in Waging am See voll angreifen? Oder reicht da auch eine abgespeckte Variante zum Erfolg?

«Um ehrlich zu sein, kann ich das noch nicht sagen, was ich turne. Bei uns im Team ist es so, dass es extrem kurzfristig entschieden wird. Je nachdem wie es donnerstags oder freitags aussieht. Wie sich jeder Einzelne fühlt, in Bezug auf Muskeln und Gelenke. Dementsprechend wird dann entschieden. So wird es auch bei mir sein. Es kann immer mal irgendwas dazwischen kommen, z.B. jemand wird krank oder hat irgendwelche Probleme. Bei Bundesliga ist es dann eben so, dass man sich nicht den letzten Rest geben muss, nochmal einen Liga-Wettkampf geturnt hat und sich so kaputt macht. Sondern da muss man aufpassen und als Team auch füreinander da sein und auch füreinander einspringen. Letzten Endes bin ich bereit. Ich weiß, dass ich meine vier Geräte machen kann. Wenn ich an den Start gehe, gibt es nicht so viel zu reduzieren. Ok, gäbe es eigentlich schon. Aber es ist so, dass man dann auch so ein bisschen aus dem Rhythmus der Übung kommt. Am Barren zum Beispiel ist es bei mir so: würde ich jetzt meine Übung umstellen und diese leichter machen, wäre es für mich dann doch nicht so viel leichter, weil es einfach eine ganz andere Übung wäre. Am Sprung gibt es bei mir jetzt nicht viel zu erleichtern. Am Boden auch nicht. Und ich fühle mich soweit fit. Wie gesagt, es geht auch immer darum, dass man sich nicht verletzt. Dementsprechend entscheiden wir kurz davor, wer wie an den Start geht. Und so ist es auch für mich immer wieder eine kleine Überraschung».

Wie läuft die Kommunikation zwischen Athlet und Trainern, geben die Dir großen Spielraum?

Ja, gerade in Stuttgart hat sich es sehr eingespielt. Klar, wir haben einen Trainingsplan. Mein Ziel ist es, mich an den Plan zu halten und den durchzuziehen, wie es meine Trainer auch geplant haben. Aber letzten Endes geht die Gesundheit vor. Ich will nicht in den letzten Jahren meiner Karriere meinen Körper für den Erfolg zerstören. Mit meinen Trainern kann ich sehr gut reden. Die Kommunikation ist echt optimal. Und manchmal müssen sie mich auch pushen, so wie es bei jedem einmal der Fall ist. Und dann sagen sie: ‚doch das machst du jetzt schon‘. Dann musst du dich halt auch mal durchbeißen. Aber grad wenn es um die Gesundheit geht, und ich sage, dass es mir leid tut und es heute wirklich nicht geht, weil ich Schmerzen habe oder ich merke, dass es überhaupt nicht funktioniert, dann haben sie da vollstes Verständnis. Sie wissen, dass ich ja grundsätzlich weiterkommen und erfolgreich sein will, fit sein will. Deswegen gehen wir alle davon aus, dass wir das gleiche Ziel haben. Und zwar das ich fit bin und gute Ergebnisse erziele. Deswegen geht auch aus guter Kommunikation ein gutes Training hervor».

Du bist in Deiner Karriere nicht gerade verschont geblieben von Verletzungen. Ist dieses Aufpassen und das Hineinhören in den Körper ein Lernprozess gewesen?

«Auf jeden Fall. Ich habe auch das Gefühl, das dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist, sondern dass ich immer noch weiter lerne. Früher war es so, dass ich dachte, viel hilft viel. So denke ich jetzt eben nicht mehr. Man lernt daraus. Man sollte nie denken, dass man ausgelernt hat. Gerade in solchen Sachen. Ich finde, ich habe dafür sehr viel Zeit und auch ein paar Verletzungen gebraucht. Damit ich selbst mal gelernt habe, mit meinem Körper umzugehen. Besser auf meinen Körper zu hören und dann auch besser zu reagieren. Ich glaube, das habe ich früher nicht so getan, bzw. ich habe auch oft zu spät was gesagt. Und ich wollte auch manchmal lieber nichts sagen. Aber jetzt weiß ich, genau das ist es! Es ist das Beste zu kommunizieren! Dann findet man auch gemeinsam eine Lösung. Aber dass man wahrscheinlich nie komplett an Verletzungen vorbeikommt, weiß ich natürlich auch. Wenn was passieren sollte oder man verletzt sein sollte, finde ich, ist man im höheren Alter dann aber auch schlauer und weiß wie man damit umgehen muss. Nicht nur mit dem Körper selbst, sondern auch mental. Denn jede Verletzung wirft einen auch im Kopf immer wieder ein Stück zurück».

Was würdest Du allen noch nicht so erfahrenen Turnerinnen empfehlen?

«Hört selbst auf euren Körper! Versucht zu fühlen, ob ihr irgendwo Schmerzen habt und ob ihr diese kennt. Denn es gibt ja auch Unterschiede. Wegen eines Muskelkaters braucht man jetzt keine Gesprächsrunde mit dem Trainer zu eröffnen und überlegen, ob man das Training komplett umstellt. Aber wenn man merkt, es ist unangenehm, dann ist das sehr wichtig, das auch zu kommunizieren! Weil letzten Endes spürt ihr das nur selbst. Die Trainer oder andere können das nicht einschätzen. Also muss man mit ihnen reden, auch wenn es gerade Jüngeren oft schwerfällt. Aber nur so kann man eine Lösung finden und aufeinander eingehen».

Zweite im Weltcup!
Du hast zwei Weltcups hinter Dir, in Birmingham bist Du aber nicht am Start. Dafür aber auf der letzten Station in Tokio. Wolltest Du nicht um den Gesamt-Weltcupsieg kämpfen?

«Das mache ich trotzdem. Es wird meines Wissens keine Turnerin an allen vier Wettkämpfen teilnehmen, somit habe ich dennoch gute Chancen. Birmingham war nie geplant, weil es sonst auch irgendwann ein bisschen zu viel wird. Wir haben genau geschaut, was und wo ich turne. Und ich bin extrem glücklich, dass ich in die USA und nach Tokio fliegen darf, weil das auch sowas ist, was mich persönlich in meinem Sport sehr glücklich macht: Das um die Welt reisen dürfen.».

Es gab ja zuletzt wieder Meldungen über die nach wie vor hohen Strahlenbelastungen nach der Fukushima Katastrophe in Japan. Beeindruckt Dich sowas, ist das ein Thema bei solchen Überlegungen?

«Als 2011 die Weltmeisterschaften dort waren, war das sogar ein großes Thema. Da habe ich mich natürlich auch damit befasst. Letzten Endes habe ich aber 2011 in Tokio so tolle Erfahrungen gemacht, mit dem Land, dem Wettkampf und der Organisation. Da konnte man das dann doch bisschen verdrängen. Auch wenn es nach wie vor ein Thema ist. Jetzt freu ich mich einfach darauf, weil ich grundsätzlich gute Erinnerungen daran habe.»

Was macht Japan als Veranstaltungsort so attraktiv?

«Es ist erstmal eine andere Kultur, in der die Leute wirklich alle sehr freundlich und zuvorkommend sind. Aber auch sonst hat mich Tokio selbst sehr beeindruckt. Dort ist richtig was los. Es hat mir einfach Freude gemacht, das kennen zu lernen. Die Japaner sind sehr gut organisiert. Ein sehr interessantes, cooles Land. Was ich auch ziemlich spannend finde, wenn man dort in den Supermarkt geht und noch immer Neues entdecken kann. Gerade auch etwas, was man dann auch mit nach Hause bringen kann. Und wenn es nur irgendwelche Kaubonbons sind, die es in Deutschland nicht gibt.»

Lass uns ein Geheimnis lüften. Ist Eli Seitz ein Sushi-Fan?

«Das ist gar kein großes Geheimnis mehr. Ich bin sogar ein riesen Sushi-Fan! Ich hoffe auch, dass ich in Tokio die Möglichkeit habe, Sushi zu essen. Weil es einfach von dort kommt und eben auch deswegen besonders gut ist. (lacht) Und falls ich dazu komme, dort Sushi zu essen und es so extrem besser ist, hoffe ich natürlich das es mir in Deutschland dann überhaupt noch schmeckt. Denn ich bin schon ein riesen Sushi-Fan ».

Vorhin sprachen wir über Lernprozesse. Du willst nicht nur in Sachen Körper, sondern auch auf einer anderen Ebene weiter Lernen?

Bald im Studium: Elisabeth Seitz.
«Richtig. Ich möchte mit dem Studium beginnen. Ganz einfach deshalb, weil ich zum einen denke: es war jetzt eine relativ lange Zeit nach dem Abi, in der ich mich nur auf den Sport konzentriert habe. Es ist eine tolle Zeit gewesen. Ich habe mich auch sehr daran gewöhnt. Natürlich könnte ich sagen: ‚Toll, ich würde gerne so weiter machen‘. Aber ich weiß, es geht nicht ewig so. Letzten Endes kommt auch nach dem Sport noch ein Leben. Und darauf will ich vorbeireitet sein. Und sollte es dann irgendwann mal mit dem Sport vorbei sein, möchte ich auch einen direkten Einstieg haben. Einfach etwas in der Hand haben. Deswegen fange ich jetzt mit einem Lehramts-Studium an. Englisch und Ethik werden es sein. Und dann hoffe ich, dass ich später mal eine gute Lehrerin sein werde».

Wann geht’s los?

«Im April in Ludwigsburg».

Und warum willst Du ausgerechnet Lehrerin werden? Du hattest doch bereits einmal in einem Praktikum Deine Fühler in den Journalismus ausgestreckt?

«Es war schon immer so, dass ich ein Lehramt Studium in Erwägung gezogen hatte. Aber ich war auch extrem an der anderen Seite des Journalismus interessiert. Ich habe ja nur die Seite des Befragten kennengelernt, wenn ich interviewt oder gefilmt wurde. Allerdings sind meine Eltern und mein Onkel Lehrer und ich wollte einfach nicht sagen, die sind Lehrer, jetzt werde ich auch Lehrer. Ich wollte weiterschauen, ob Journalismus was für mich ist. Und es ist sehr interessiert, vielleicht sogar mein Ding. Die sechs Wochen beim SWR haben mir einen riesen Spaß gemacht. Es war auch eine coole Zeit. Aber irgendwie hat dann in meinen Überlegungen dann doch ganz knapp das Lehramtsstudium gewonnen. Auch mit dem Hintergedanken, das ich damit einfacher trotzdem Journalist werden könnte als andersherum mit einem Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften. Wenn ich das gemacht hätte, wäre es nicht mehr möglich gewesen, so einfach in den Lehrerberuf einzusteigen. So kann ich mir dadurch noch etwas offenhalten. Auch wenn Lehramt jetzt doch mein eigentliches Ziel ist».

nbb
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5.TG Mannheim20:22545,05
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7.TSG Steglitz6:36517,75
8.Dresdner SC2:40515,25