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02.04.18 / Männer

Straubenhardt entzaubert Siegerland

Hashtag: #STHSKV
Die KTV Straubenhardt hat am Wochenende auf die Frage nach dem künftigen Tabellenführer eine ziemlich eindeutige Antwort gefunden. Denn mit 50:19 geriet das Gipfeltreffen gegen den Tabellenkonkurrenten bei weitem nicht so eng, wie es Straubenhardts sportlicher Leiter Dirk Walterspacher vor dem Wettkampf befürchtet hatte. «Siegerland hat viel mehr Fehler gemacht, als wir erwartet haben. Und auch Philipp Herder hat nur drei Geräte geturnt. Das hat uns natürlich alles ein bisschen in die Karten gespielt», war Walterspacher nach dem zweiten Heim-Auftritt der Schwarzwälder mit dem Endergebnis zufrieden. Trotzdem habe sein Team in Summe viel zu viele Fehler gemacht. «Da müssen wir noch etwas tun bis September», mahnte der KTV-Coach.

Auf Seiten des zweifachen deutschen Meisters haderte Gallionsfigur Herder dagegen sichtlich zerknirscht mit dem Verlauf des Wettkampfs. «Wir hatten uns mehr vorgenommen. Wir wollten natürlich volle Kanne angreifen. Aber wir haben heute einfach zu viele Fehler gemacht», resümierte er. Insgesamt 17 hatte der WM-Mehrkämpfer gezählt. «Das ist natürlich bitter. Es tut mir auch leid, dass ich am Boden ausgefallen bin, aber ich habe zurzeit ein bisschen Probleme mit der Achillessehne», erklärte er.

Doch nicht nur auf der Matte, auch an der Matte machte der SKV Fehler. Zumindest nach Ansicht von Straubenhardts Andreas Bretschneider. «Die haben dort taktisch absolut falsch agiert. Das muss man ihnen an der Stelle zum Vorwurf machen. Mit der ersten Übung den jüngsten Mann hinzuschicken, der die geringste Wettkampferfahrung hat, das macht man einfach nicht», fand der Erfinder des bisher schwierigsten Reckflugteils der Turngeschichte, der Nachwuchsmann Dario Sissakis aber auch am Boden gleich im ersten Duell eine 0:5-Niederlage beibrachte. «Da sind sie ein bisschen selbst schuld, dass sie da die ersten großen Punkte haben liegen lassen. Von da an waren sie ein wenig unter Zugzwang, haben es allerdings nicht geschafft, uns zu knacken», sagte er. So habe die KTV bereits vor dem Pauschenpferd einen riesigen Vorsprung gehabt, mit dem man dort gar nicht gerechnet habe.

Den Kopf in den Sand stecken will indes im Siegerland trotz der satten Niederlage niemand. «Wir müssen jetzt nach vorne schauen, denn wir wissen, dass wir die TG Saar schlagen können», betonte Herder. «Die Frage ist, in welcher Form die bei uns auftreten. Wir hoffen aber, dass wir mit der Hilfe unseres Publikums den Wettkampf ausgeglichener gestalten können», ergänzte der SKV-Präsident Reimund Spies.

Dass auch beim Meister das klare Ergebnis über einige Schwächen hinwegtäuschte, belegt unter anderem das Pauschenpferd. «Das war wohl insgesamt die schlechteste Pauschenpferdvorstellung die es jemals hier in der Bundesliga gegeben hat. Da sind ja nur zwei Übungen durchgelaufen, das war katastrophal», grantelte Bretschneider und auch Walterspacher sparte nicht mit Kritik. «Am Pauschenpferd sind wir grottenschlecht im Vergleich zum Vorjahr. Wir müssen da derzeit die Jungen ranlassen, und die haben noch ein bisschen die Hosen voll. Da wartet noch ein bisschen Arbeit auf uns».

Doch die SKV-Turner wollten die Geschenke aus Straubenhardt an diesem Tag gar nicht annehmen. «Das gibt’s doch gar nicht», entfuhr es da selbst einem Matthias Fahrig, der Kummer an diesem Gerät durchaus gewohnt ist. Für Bretschneider war es gar die Schlüsselstelle des Wettkampfs. «Hätten sie sich am Pauschenpferd ein bisschen im Griff gehabt, hätten sie uns auf jeden Fall wieder einholen können», ist er sich sicher. Denn erst danach habe sich die KTV vor nahezu ausverkauftem Haus wieder konzentriert in sicheren Gefilden bewegt. «Und damit war Siegerland gebrochen», fügte er hinzu.

Auch für Marcel Nguyen, mit 15 Punkten Topscorer der Partie, war nicht alles Gold was an diesem Tag in der Straubenhardthalle glänzte. «Ganz zufrieden bin ich mit dem Wettkampf so wie er gelaufen ist nicht», räumte er ein und nahm dabei auch die eigene Leistung nicht aus. «Am Barren habe ich keine gute Übung erwischt. Da hatte ich Probleme mit einem Element, das habe ich rausgenommen. Wenn Siegerland mal einen guten Tag hat, dann wird es gegen die schon ein bisschen schwerer, so wie wir heute geturnt haben». Seine Schulterprobleme trägt der 30-Jährige noch immer mit sich herum. «Mal ist es besser, mal ist es schlechter», berichtete er. Schonung ist angesagt, vor allem an den Ringen. Beim KTT Heilbronn am kommenden Wochenende will Nguyen aber in jedem Fall mit dabei sein. «Ich werde aber nicht alle Geräte turnen», stellte er klar.

Mehr oder minder überraschend gab der Franzose Franzose Zachari Hriméche sein Debüt im Team der KTV. In den ersten beiden Wettkämpfen noch wegen Haarrissen im Fuß noch außer Gefecht gesetzt, trat der Neuzugang nach nur einer Woche Training am Samstag für seinen neuen Club an. Den Tsukahara doppelt gebückt rückwärts (D: 5,6), den er am Sprung anbot, stand er zwar (noch) nicht. «Der war noch nicht so gut. Da brauche ich noch ein paar Wiederholungen mehr», befand der 21 Jahre alte Sprung- und Bodenspezialist. Gerade mit Anton Fokin und dem Armenier Vahagn Davtyan ergänzte er sich nahezu perfekt.
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