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08.04.18 / Männer

Hörr landet im Krankenhaus, Bretschneider brilliert am Reck

Es war eine Schrecksekunde beim Einturnen, die dem gesamten Wettkampf des KTT Heilbronn gegen den Meister aus Straubenhardt ihren Stempel aufdrückte. Carlo Hörr, Topscorer der Gastgeber vom Neckar, knallte nach einer überdrehten Schraube am Boden aus gefühlten zwei Metern in Rückenlage mit dem Hinterkopf auf die Fläche und blieb benommen liegen. Da viele Indizien auf eine Gehirnerschütterung hindeuteten, traf Heilbronns Taktik-Coach Rainer Arnold die einzig richtige Entscheidung: Er nahm seinen Topscorer aus dem Wettkampf. In der nahegelegenen SLK-Klinik bestätigte sich dieser Verdacht dann.

«Ich wollte eine Dreifachschraube machen, habe dabei überdreht und bin in Rückenlage gelandet. Dabei habe ich mir eine Gehirnerschütterung zugezogen. Über Nacht wurde ich zur Kontrolle dabehalten, aber schon am Sonntag wieder raus aus dem Krankenhaus», sagte Hörr am Montag, dem es soweit wieder ganz gut geht. «Ich habe nur noch etwas Nackenschmerzen. Ich soll mit dem Sport noch eine Woche Pause machen, um Erschütterungen zu vermeiden. Einfach zur Sicherheit, damit ich mich gut von der Gehirnerschütterung erholen kann. Danach kann ich dann wieder normal starten mit dem Training», erklärte er.

Für seine Teamgefährten bedeutete der Ausfall ihres Topscorers Umdenken und teilweise ohne Einturnen Leistung am ungeplanten Gerät zu bringen. «Jakob Hofmann war nur für drei Geräte vorgesehen und war eigentlich auch angeschlagen, Stefan Payer war für zwei Geräte geplant. Sie hatten sich nur an ihren eigentlichen Geräten eingeturnt und mussten dann plötzlich an alle sechs Geräte ran», schilderte Arnold die Situation. Doch die KTT-Jungs zeigten sich flexibel. Die verbliebenen vier Turner Fabian Geyer, Valentin Starikov, Jakob Hofmann und Stefan Payer stellten sich der Herausforderung und meisterten jeder einen Sechskampf.

Dass in dieser Konstellation gegen den sechsfachen Meister nicht mehr viel auszurichten war, verstand sich von selbst. Die Art und Weise, wie die vier Verbliebenen ihre Aufgabe jedoch meisterten, erntete die Hochachtung des Gegners. «Mein Respekt gilt Heilbronn, die den Wettkampf mit ihren verblieben vier Turnern ganz ordentlich durchgezogen haben. Die Mannschaft hat für Carlo geturnt, das war gut. Da war das Ergebnis dann auch zweitrangig. So war dann auch der Wettkampf. Es war ein faires Miteinander, tolle Zuschauer», lobte Straubenhardts sportlicher Leiter.

Der hatte am Ende nicht nur Grund zur Freude über das Gesamtergebnis von 79:15. Mit 21 Scorepunkten war sein Kapitän Andreas Bretschneider der alles überragende Turner des Nachmittags. Obgleich nicht unter Zugzwang, turnte der 28-jährige Chemnitzer gleich fünf Geräte. Schließlich steht am kommenden Wochenende der Mehrkampf-Weltcup in Tokio auf dem Programm. Und Bretschneider wollte es vor seinem Weltcup-Auftritt noch einmal wissen: «Er hat alle vier Flugteile perfekt gehalten», berichtet Walterspacher. Einschließlich des höchstschwierigen «Bretschneider». Ärgerlich nur, dass ihn am Ende der Übung Nasenbluten und Schwindel kurz vor dem Abgang doch noch vom Gerät zwangen. Doch was den D-Wert angeht setzte er mit 6,8 Punkten in Heilbronn Maßstäbe.

Ein Extralob für seine erste Saisonhälfte wollte der Schwarzwälder auch an Marcel Nguyen spenden. «Er hat die ersten vier Wettkämpfe keinen Fehler gemacht. Er ist immer da für die Mannschaft und turnt das, was gebraucht wird und er hat absolut keine Starallüren. Er hat in Heilbronn eine Stunde bis zu seinem Einsatz an den Ringen gewartet und dann trotz Schulterschmerzen seine Übung für das Team geturnt. Das ist einfach toll», sagte Walterspacher. Und auch Daniel Wörz wollte er nicht vergessen. «Der hat seine Sache ebenfalls prima gemacht», fügte er hinzu.

Trotz Abrutschens auf den letzten Tabellenplatz der Bundesligatabelle ging auf Heilbronner Seite der Dank an die vier verbliebenen Turner. «Chapeau und tiefe Verneigung vor allen, die hier heute einen Sechskampf geliefert haben. Das war eine krasse Leistung», sagte Rainer Arnold nach dem Wettkampf bei seinen Turnern. «Für die Zuschauer tut es mir ein bisschen leid. Wir wollten einen spannenden Wettkampf bieten und hätten mit Carlo bestimmt ein paar Gerätepunkte eingefahren. Aber die Gesundheit geht vor», betonte er.
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