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08.04.18 / Männer

Foto-Finish im Siegerland

Es war ein Duell vor der Tür zum DTL-Finale, wie es ein Krimi-Autor kaum besser hätte ersinnen können. Vor dem letzten, dem Königsgerät Reck, lagen die beiden Kontrahenten Siegerländer KV und TG Saar mit 29:29 Brust an Brust. Es war am Ende der zweite Fehler der Saarländer, der die Waage zugunsten des zweifachen Meisters aus dem Siegerland ausschlagen ließ. «Bei seinem vierten Flugelement hat Daniil Kazakhov die Stange verfehlt, danach war der Wettkampf gelaufen», stellte Michels nüchtern fest. Mit 33:37 verpasste sein Team die Chance vorerst, sich noch einmal selbst ins Titelrennen zurückzuturnen. «Wenn wir den Wettkampf gewonnen hätten, hätte sich für uns die Tür zum großen Finale noch einmal geöffnet. So ist das Ding durch, denke ich», sagte er.

Den Kopf hängen lassen will beim Vizemeister aber niemand. Zumal die TGS-Riege an Boden und Pauschenpferd gut in den Wettkampf gestartet war. «Bei letzterem hätten wir noch ein größeres Polster raushauen können. Wenn Nikita Nagornyy nicht abgestiegen wäre. Und wenn er nicht noch so einen groben Schnitzer mit drin gehabt hätte, dann geht das nicht mit 9:1 an uns, sogar vielleicht 12:0», bedauerte Thorsten Michels am Ende die verlorenen Punkte. Der hatte an den Ringen und am Barren mit Wertungen oberhalb von 15 Punkten seine Weltklasse durchblitzen lassen, fehlte den Saarländern aber wegen einer Leistenverletzung ausgerechnet an seinen beiden Spezialgeräten Sprung und Boden. Und an Letzterem ist der Europameister einer der wenigen Turner weltweit, die einen Dreifachsalto sicher beherrschen.

So avancierte der Kubaner Manrique Larduet Bicet am Ende wohl zum Matchwinner, der allein 18 Scorepunkte für die Siegerländer einfuhr. Mithin doppelt so viel Zähler wie Saars bester Scorer Felix Remuta nach Hause brachte. «Die Leistung und die Einstellung haben gestimmt, das muss man sagen», stellte Michels bei der TG Saar seinen Turnern ein gutes Zeugnis für Teamgeist und Moral aus.

Und auch Lichtblicke, die für die zweite Saisonhälfte noch hoffen lassen, haben sie im Saarland gesehen. «Am Barren hat Ivan Bykov zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder seine Übung geturnt, allerdings nur mit einem Strecksalto als Abgang. Man hat ihm jedoch angemerkt, dass er leider seit zwei Jahren nur Pferd geturnt hat. Da hat einfach noch die Routine gefehlt», sagte Michels, der auch für Eugen Spiridonov eine besondere Erwähnung für angebracht hielt. «Er ist mit 36 immer noch eine Bank. Er bereitet sich noch immer akribisch vor und gibt immer alles für die TG Saar», betonte er.

Während Siegerland sich zu Recht als einen Gewinner der ersten Saisonhälfte sehen darf, muss die TG im Sommer nach Strategien suchen, wie der Anschluss zur Führungsgruppe wiederhergestellt und die Tür zum kleinen Finale vielleicht doch noch aufgestoßen werden kann. «Wir stehen auf Platz sechs. Wir müssen schauen, dass wir die nächsten drei, vier Monate das Training vernünftig gestalten und uns wirklich darauf fokussieren, am 8. September das Duell gegen Heilbronn zu gewinnen. Und daraus dann Motivation zu schöpfen, um gegen Wetzgau und Straubenhardt noch einmal Fahrt aufzunehmen», sagt Michels.

Ein Hoffen auf die Rückkehr des verletzten ukrainischen Mehrkampfstars Oleg Verniaiev soll es jedoch nicht werden. Braucht es auch nicht, glaubt Michels. «Nikita Nagornyy ist ein kompletter Ersatz. Er wird uns auch im Herbst an allen drei Wettkämpfen zur Verfügung stehen. Natürlich wird Oleg, wenn er sagt er kann ein oder zwei Geräte turnen, mit eingesetzt. Ich könnte mir schon vorstellen, dass er an Pauschenpferd und Barren mit an Bord ist», sagte er.

Im Siegerland macht das allerdings niemand nervös. Dort hofft man, dass Manrique Larduet Bicet auch im Herbst wieder mit von der Partie sein kann. Dort will man die gute Zusammenarbeit mit dem kubanischem Verband «auf jeden Fall fortsetzen. Manrique und Carlos haben im Turnzentrum in DreisTiefenbach optimale Trainingsbedingungen vorgefunden und haben sich insgesamt bei uns sehr wohl gefühlt – jetzt hoffen wir, dass Manrique gut durch den Sommer kommt und uns im Herbst für den zweiten Teil der Bundesliga-Saison gesund zur Verfügung steht», bestätigte SKV-Präsident Reimund Spies auch im Gespräch mit der Siegerländer Zeitung.
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