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15.09.18 / Turnen International

Glücksgefühle bei Lukas Dauser, Schmerzen bei Pauline Schäfer

Pauline Schäfer (TSV Tittmoning)
Große Glücksgefühle bei Vize-Europameister Lukas Dauser, große Schmerzen bei Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer: Bei der WM-Qualifikation der Turner am Samstag in Stuttgart lagen Freude und Leid nah zusammen. «Es war eine Premiere, den Doppelstreck-Salto in der zweiten Akrobatik-Reihe zu turnen. Ich bin einfach ein bisschen zu weich abgesprungen und mir hat die Höhe gefehlt. Da war eben der Boden zeitiger da als geplant», fasste Pauline Schäfer den Sturz an ihrem dritten Gerät zusammen. Die Folge war eine schmerzhafte Stauchung im linken Sprunggelenk und das Wettkampf-Aus für die erste Quali-Runde für die Weltmeisterschaften in Doha/Katar. Bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig, die gleichzeitig auch die zweite Qualifikationsrunde sind, will die 21-Jährige aber in jedem Fall wieder mit dabei sein.

Auch zuvor hatte die Weltmeisterin an ihrem Paradegerät Schwebebalken die ein oder andere knifflige Situation zu lösen gehabt. «Der war heute sehr wackelig. Das Gute daran ist, es ist Potenzial da, um besser zu werden. Bis zu Leipzig werde ich nochmal intensiv arbeiten, im Hinblick auf die WM noch einmal Gas geben. Denn mein Training war eigentlich gut», sagte sie.

Die allgemeine Aufregung, die sich nach der Trennung von Erfolgstrainerin Gabi Frehse entwickelte, hat Schäfer aber offenbar gut weggesteckt. Einfluss auf ihre Leistungen in Stuttgart hatte die neue Situation nach ihrer Einschätzung nicht. «Im Grunde genommen war es ein Wettkampf wie jeder andere. Um es kurz und knapp auszudrücken, die Trainingssituation ist abgeklärt, so dass ich mich optimal auf die WM vorbereiten kann. Das ist das Wichtigste. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen», wollte sie das Thema an diesem Tag nicht mehr weiter vertiefen. Frehse selbst war gar nicht erst nach Stuttgart angereist, da die zweite Chemnitzerin Sophie Scheder wegen den Folgen einer Trainingsüberlastung nicht angetreten war.

Kim Bui (MTV Stuttgart)
Im Wettkampf übernahmen im Wechsel Trainer aus Karlsruhe, Köln und Stuttgart Schäfers Betreuung. «Das war eigentlich keine Frage, dass da alle mitmachen. Wir sind ein Team und wir müssen diese Sache jetzt bestens meistern», sagte Bundestrainerin Ulla Koch, die neben dem klaren Sieg von Kim Bui mit 53,000 Punkten allerdings auch zwei Abgänge von Elisabeth Seitz zur Kenntnis nehmen musste, die nach viereinhalb Monaten Krankheitspause ihr Comeback gab. Neben den «üblichen Verdächtigen» zeigten auch die Zweitplatzierte Carina Kröll (MTV Stuttgart/51,300), Sarah Voss (TZ DSHS Köln/51.165) auf Rang drei und die Vierte Leah Grießer (TG Karlsruhe-Söllingen/49,564), dass sie die WM in Doha keinesfalls abgeschrieben haben. Siebte wurde Grießers Teamgefährtin Isabelle Stingl mit 47,432 Punkten. «Es wird auf jeden Fall spannend», glaubt Koch, zumal in Leipzig auch Scheder wieder mit am Start sein wird.

Dauser feiert überragendes Comeback

Lukas Dauser (KTV Obere Lahn)
Bei den Männern strahlte Lukas Dauser über sein gelungenes Sechskampf-Comeback und selbst der sonst mit spontanen Lobeshymnen eher zurückhaltende Bundestrainer Andreas Hirsch zeigte sich angetan von der Leistung des 25-jährigen Unterhachingers. «Das Thema dieses Wettkampfes hieß ja WM. Er hat mir das Überlegen da ziemlich leicht gemacht. Da gibt es nicht viel zu überlegen. Solche Leistungen fallen ja nicht vom Himmel. Dass es in diesem Wettkampf dazu gekommen ist, spricht für ihn», sagte Hirsch, der Dausers Vorstellung daher als Indiz wertete, «dass er wohl starke Ambitionen hegt, da mitzufahren.»

Auch Dauser selbst schien die Erleichterung ins geradezu ins Gesicht geschrieben. «Die letzten 16 Monate waren schon der Horror, vor allem das erste halbe Jahr», räumte er mit Blick auf seine schwere Knieverletzung beim Turnfest 2017 ein. Die erste Reaktion des Arztes im Krankenhaus damals hat sich in sein Bewusstsein eingebrannt. «Herr Dauser, das ist leider nicht nur ein Kreuzbandriss, das ist die XXL-Variante. Der Meniskus ist so blöd zertrümmert, dass ich Ihnen nicht sagen kann, ob Sie je wieder springen oder landen können», hatte der die Situation nüchtern analysiert. Doch die Operation gelang. Was folgte, war ein monatelanges, hochintensives Reha-Training, anfangs mit Sprüngen von einer fünf Zentimeter hohen Matte. Doch Dauser gab die Hoffnung nicht auf. «Mir war immer klar, ich werde wieder springen. Egal was das Knie sagt», sagt er.

Philipp Herder (Siegerländer KV)
Eine große Schrecksekunde gab es auch für den Berliner Philipp Herder. Der WM-Mehrkämpfer von 2017 kam nach seinem Überschlag-Doppelsalto am Sprung sehr unglücklich auf, hielt sich sofort das Knie. Viele Zuschauer befürchteten schon Parallelen zu Dausers Verletzung, doch Herder hatte Glück im Unglück und konnte nach einer Behandlungspause weiterturnen. Unter dem Eindruck des Sturzes lief es für den 25-Jährigen danach auch am Reck nicht rund, ein Sturz und eine verpatzte Landung warfen Herder am Ende mit 76,450 Punkten in der Gesamtwertung auf Rang sechs zurück.

An der Spitze blieb es bis ein spannendes Rennen bis zum Schluss, das Lukas Dauser mit 81,200 Punkten gegen Andreas Toba (81,050) und Andreas Bretschneider (80,750) für sich entscheiden konnte. EM-Turner Nick Klessing vom Tabellendritten KTV Obere Lahn erwischte trotz glänzender 14,400 Punkte an den Ringen keinen guten Mehrkampf und landete mit 74,350 Punkten nur auf Rang zehn.
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