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30.11.18 / Männer

Fokus Finalsieg: Wie die KTV Obere Lahn den Titel holen will

Die letzten Tage vor dem Finale hatte die Gerüchteküche in der Turnszene stetig gebrodelt. Aus «todsicherer» Quelle wollte da der ein oder andere gehört haben, dass Fabian Hambüchen noch einmal beim Finale für seinen Verein KTV Obere Lahn im Meisterrennen ans Reck gehen würde. Die gute Nachricht: Der Reck-Olympiasieger von Rio de Janeiro wird beim Finale mit dabei sein! Allerdings nicht so, wie vermutet. Der 31-jährige Hesse wird den Siegerpokal am Samstag in die Hände des neuen Meisters in der IWA Nachwuchsbundesliga übergeben.

Doch auch die Gerüchte kamen offenbar nicht von ungefähr. «Es ist darüber gesprochen worden», bestätigte KTV-Trainer Albert Wiemers am Donnerstag. Am Ende hätten die Beteiligten aber entscheiden, dem Reiz der Sensation zu widerstehen. «Wenn er geturnt hätte, dann hätten sich die Medien überschlagen. Ich denke aber, dass der Fokus denjenigen gehören sollte, die sich die Teilnahme am Finale erkämpft haben. Und die sollen das auch genießen können. Und das sieht Fabian, glaube ich, ähnlich. Wir können im Finale nur zehn Turner einsetzen. Wäre Fabian an den Start gegangen, hätte ich aber einen Menschen auf die Bank setzen müssen», erklärte Wiemers seine Entscheidung.

Doch auch ohne den ehemaligen Superstar ist die Riege aus dem Mittelhessischen bestens vorbereitet. Zwar kann der US-Amerikaner Colin van Wicklen aus Verletzungsgründen wohl nicht mit auflaufen, mit dem Weißrussen Andrey Likhovitskiy und dem Armenier Artur Davtyan ist die KTV aber auch auf der Gastturnerseite exzellent besetzt. Nicht zu vergessen natürlich Deutschlands derzeit stärkster Turner Lukas Dauser, der nach langer Verletzungspause nach Erfolgserlebnissen giert. Nach zwei Finalteilnahmen bei der WM in Doha und dem Gewinn der Qualifikation am Barren beim Weltcup in Cottbus möchte der 25-jährige Berliner seine erfolgreiches Comebackjahr noch einmal vergolden. Auch der zuletzt beim Weltcup überragende Nick Klessing will zum Abschied der Oberen Lahn in der 1. Bundesliga den «Pott» nach Biedenkopf holen.

Wie beim Meister KTV Straubenhardt sieht man auch bei der KTV Oberen Lahn die Titelchancen in diesem Jahr bei 50 zu 50. Viel wird nach Ansicht des Cheftrainers davon abhängen, wie sich die dritte und vierte Reihe seiner Turner im Finale präsentiert. «Ich vermag aber keinerlei Prognosen abzugeben. Das wird eine ganz spannende Sache», erklärte Wiemers. Schlaflose Nächte hat der KTV-Coach aber deswegen nicht. «Wir lassen es auf uns zukommen. Wir sind äußerst gespannt, wir würden aber schon gerne gewinnen», sagte er.

Was der künftige Meister an diesem Tag ins Rennen schicken muss, darüber hat Wiemers jedoch eine klare Vorstellung. «Derjenige, der stabiler turnt, wird in diesem Duell garantiert gewinnen. Das wird der entscheidende Punkt sein. Wer seine 24 Übungen stabil abliefert, wird am Samstag kaum zu überholen sein», ist der KTV-Coach überzeugt.

Bei den Mittelhessen versucht man auf jedwede taktische Finessen aus Straubenhardt vorbereitet zu sein. Für die eigenen Schachzüge sorgt seit zwei Jahren Wiemers Sohn Felix. «Ich glaube, es gibt nur wenige, die die Ausgangswerte in der ersten Bundesliga so drauf haben, ohne dass sie nachschauen müssen. Ich möchte mich da nicht mit Federn schmücken, die mir nicht zustehen», sagt der Cheftrainer, der sich der Bedeutung der taktischen Varianten in den Geräteduellen voll bewusst ist. «Man kann über die Taktik ganz viel ins Positive schieben. Es wurden schon viele Wettkämpfe, die nach Turnpunkten verloren waren, über die Taktik gewonnen», erinnert er sich.

Und auch die meisten Taktikfüchse aus der Liga sehen das diesjährige Finale so ausgeglichen wie wohl noch nie. Auch Wiemers erwartet einen ausgeglichen Kampf bis zum letzten Gerät. «Ich glaube, die Partie wird erst am Reck entschieden. Wenn wir einen 400-Meter-Lauf zum Vergleich nehmen, würde ich sagen, die Entscheidung wird zwischen 350 und 380 Metern fallen», sagte er.
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