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16.03.19 / Männer

Weltcup-Vierter Nguyen punktet am Pferd und hinterfragt EM-Sechskampf

Marcel Nguyen hat beim zweiten Mehrkampfweltcup des Jahres das Siegerpodest knapp verpasst. Nach seiner Absage wegen einer Platzwunde beim Auftakt der Serie im amerikanischen Greensboro vor zwei Wochen, sammelte der 31-Jährige am Samstag in einem hochklassigen Starterfeld 82,864 Punkte und wurde damit am Ende Vierter. Die 2500 Zuschauern in Stuttgart überzeugte der Star der KTV Straubenhardt dabei ausgerechnet am ungeliebten Pauschenpferd und hinterfragte anschließend allerdings einen Mehrkampfstart bei der EM in Polen.

Die 12 000 Schweizer Franken Preisgeld kassierte der amtierende Weltmeister Artur Dalaloyan vom TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau. Der Russe ließ nur am Reck ernsthaft Punkte liegen, wo er gleich zweimal eine Schrecksekunde erlebte und vom Gerät stürzte. Trotz der Schwäche am Königsgerät schaffte es keiner der anderen Turner, seine Marke von 84,497 Punkte auch nur ansatzweise zu gefährden. Rang zwei sicherte sich der Chinese Sun Wei (83,465), Dritter wurde der Ukrainer Petro Pakhnyuk (83,331).

Nguyen war mit seiner Vorstellung weitgehend zufrieden. «Der Einstieg am Boden war ein bisschen wacklig. Dafür war das Pferd gut. Das hat mich auch überrascht», freute er sich. Im Training hat er genau darauf nämlich besonderen Wert gelegt. «Weil wir das wahrscheinlich brauchen werden, um uns zu qualifizieren. Auch meine Leistung. Und ich will auf jeden Fall nicht schuld sein, wenn es schiefgeht», erklärte er.

Ob der zweifache Olympia-Medaillengewinner seine neue «Stärke» am Pferd auch bei der EM im April im polnischen Stettin zum Besten geben wird, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Während Bundestrainer Andreas Hirsch seinen Schützling dort in einem Sechskampf sieht, würde der sich gerne auf zwei oder drei Geräte beschränken. «Ich möchte mich doch nicht international all zu oft am Pferd zeigen, wenn es geht», sagte Nguyen mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Was den Sechskampf angeht, ist es ihm dagegen aber Ernst. «Da bin ich noch nicht überzeugt davon, dass ich das wirklich machen möchte. Am Sprung ist das sogar gefährlich. Ich habe nicht ganz so viel Sprung trainiert, da fühle ich mich nicht so wohl. Wenn ich ein bisschen schlechter lande, kann ich mich auch schnell mal verletzen», befürchtet er.

Ob ein EM-Mehrkampf, bei dem es für das Team um nicht soviel gehe, dieses Risiko wert ist, bezweifelt der KTV-Turner. Sich auf einen Start an Boden, Ringen und Barren zu beschränken, würde dem Straubenhardter da viel besser ins Konzept passen. «Ich muss mich da erstmal mit meinem Bundestrainer besprechen, an welchen Geräten ich da an den Start gehe», sagte er.

Der zeigte Verständnis für Nguyens Überlegungen. «Er sieht natürlich das Haushalten mit seinen Kräften und das Ankommen bei der WM», vermutet Hirsch. Das seien natürlich Gedanken, die man denken dürfe. «Trotzdem muss man klären, was können wir rauskitzeln aus den Möglichkeiten, die wir haben. Er sagt so, ich sage so. Wichtig ist aber, dass wir miteinander reden», findet der Bundestrainer, der in dieser Sache das letzte Wort auch noch nicht gesprochen sieht. «Ich bin an der Stelle völlig relaxed. Wenn wir Toba einigermaßen hinkriegen, dann wäre Toba eben der Sechskämpfer. Und wenn wir gar keinen hinkriegen, dann müssen wir schauen, was ist in der Summe denn der Sechskampf wert», erklärte Hirsch. Für ihn sei vor allem Nguyens Landung am Sprung heute relevant gewesen. «Und die erschien mir etwas unkontrolliert», sagte er. Aber selbst die großen Meister hätten an diesem Fehler gemacht.
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