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08.09.19 / Turnen National

WM-Quali der Frauen in Worms - die Würfel sind gefallen

Worms ist bekannt als eine der ältesten und geschichtsträchtigsten Städte Deutschlands. Im Mittelalter war es Ort zahlreicher Reichstage und wichtiger politischer Entschlüsse. Auch am Sonntag stand in der Nibelungenstadt eine wegweisende Entscheidung an. Die Frage, die es final zu beantworten galt, lautete: Wer steht bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart in dem Team, dass vor heimischem Publikum die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 stemmen soll. Als Kulisse diente ein Länderkampf gegen Frankreich und Belgien, in der auch die beiden Exil-Schwedinnen Jonna Adlerteg und Jessica Castels in einer Mixed Gruppe ihre WM-Tauglichkeit unter Beweis stellen sollten.

Das deutsche Team, das mit Elisabeth Seitz, Kim Bui, Emelie Petz (alle MTV Stuttgart), Sophie Scheder (TSV Tittmoning), Sarah Voss (TZ DSHS Köln) und Pauline Schäfer (KTV Chemnitz) auf 163,800 Punkte kam, stand damit in der – inoffiziellen – Mannschaftswertung am Ende ganz oben auf dem Siegertreppchen. Und das, obwohl Kim Bui wegen muskulärer Probleme im Waden Sprung und Boden und auch Sarah Voss wegen einer Fußverletzung nicht auf die Bodenfläche ging. Belgien sammelte insgesamt 161,250 Punkte, Frankreich lag mit 161,150 Zählern knapp dahinter. «Es war eine tolle Leistung unseres gesamtes Teams, alle haben sich sehr reingehängt. Der Wettkampf war eine weitere Steigerung im Vergleich zur ersten Qualifikation», erklärte DTB-Cheftrainerin Ulla Koch.

Seitz, die mit 54,600 Punkten nicht nur den besten Wert im deutschen Team, sondern unter allen Athletinnen markierte, erwies sich wieder einmal als Wettkampftyp. Die Atmosphäre in der mit 1110 Zuschauern vollbesetzten Halle hat sie voll aufgesogen. «Ich blühe da extrem auf. Heute hatte ich sehr viel Spaß», verriet die 25-Jährige. Denn das Training am Freitag sei allenfalls durchwachsen ausgefallen, das Einturnen vor dem Wettkampf sogar schlecht. «Dafür war heute die Barrenübung wunderbar, die Wertung extrem gut. Am Balken war es mein Ziel, oben zu bleiben. Das habe ich getan. Boden wollte ich die Zuschauer begeistern und zeigen, dass auch ich gute Spagate machen kann. Auch das habe ich gezeigt. Am Sprung habe ich gesagt, dass ich die Doppelschraube auf jeden Fall turnen und zeigen will, dass ich keine Angst davor habe. Auch die ist mir gelungen, selbst wenn sie noch nicht ganz perfekt war. Aber wir haben ja noch ein bisschen Zeit», lautete ihre Bilanz.

Auf Platz zwei und drei der «deutschen» Wertung landeten Sophie Scheder (53,850) und Emelie Petz (53,600), die sich damit nachdrücklich für Stuttgart empfahlen. Scheder hatte nach ihrer Verletzungspause erst am Donnerstag wieder die erste eigenständige Bodenübung absolviert. «Das Gute an Sophie ist, dass sie nach Verletzungen so hart an sich arbeitet, dass sie sofort wieder einsteigen kann»., freute sich auch die Bundestrainerin. Auf Rang acht des Gesamtklassements folgte mit 51,800 Punkten Pauline Schäfer, die zudem einen Sturz beim Seitwärtssalto verkraften musste, just an dem Gerät, an dem sie noch 2017 in Montreal Weltmeisterin geworden war.

Aus dem erweiterten Kreis der WM-Kandidatinnen konnte sich in Punkten gemessen niemand nachdrücklich für das WM-Team aufdrängen. «Isabelle Stingl hat toll geturnt. Die Barrenübung von Lisa Zimmermann war leider heute wieder nicht so, wie sie sein kann», bilanzierte Koch, die besonders Mitleid mit Leah Grießer hatte, die noch in Doha 2018 im WM-Team stand. «Ich finde es traurig, dass Leah verturnt hat. Das tut mir persönlich total leid. Sie hatte ein bisschen Knieprobleme, da konnte sie heute gar nicht mit umgehen», sagte sie. Sorgen bereitet Koch auch die Fußverletzung von Sarah Voss. «Da mache ich mir schon ein paar Gedanken, weil es nicht besser wird. Gebrochen ist nichts. Wir versuchen durch weniger Belastung den Fuß zu entlasten», erklärte sie.

Für das sportliche Highlight des Tages sorgte die Belgierin Nina Derwael unterdessen am Stufenbarren. Die Weltmeisterin stellte unter Beweis, warum sie derzeit das Maß aller Dinge an diesem Gerät ist. «Frankreich wird es Aufgrund der Ausfälle schwer haben, aber dass die Belgier trotz der vielen Stürze so nah an uns dran sind, das macht mir ein bisschen Sorgen. Wir müssen schon einen sehr guten Wettkampf turnen», erwartet Koch.

Die Bundestrainerin zeigte sich am Samstagabend äußerst neugierig, was der Computer denn als optimales Team für Stuttgart 2019 auswerfen wird. «Das ist ganz spannend. Ich kann im Moment auch gar keine Prognosen geben, wie das auf Platz vier, fünf und sechs aussieht. So schwer wie in diesem Jahr ist es noch nie gewesen», sagte die 64-Jährige, die sich deswegen noch auf der Rückfahrt in die Ergebnisse vertiefen wollte. Insgesamt fünf Turnerinnen werden am Ende im WM-Team stehen. Die Botschaft, sei sie positiv oder negativ, will die Bundestrainerin aber an alle Qualifikanten persönlich überbringen. «Ich rufe die Turnerinnen am Dienstag nach der Entscheidung an. Jede Einzelne. Offiziell verkündet wird aber erst am Donnerstag beim Medientag in Stuttgart», erklärte sie.

Wie das endgültige Team den lauten könnte, darüber gab es auch am Rande des Wettkampfs immer wieder heiße Diskussionen unter den Experten. Elisabeth Seitz, Sophie Scheder und Emelie Petz hielten da die meisten für gesetzt. Trotz Blessuren dürften auch viele gute Gründe für Kim Bui sprechen. Und gelingt es, Sarah Voss Verletzungsprobleme in den Griff zu kriegen, könnte ausgerechnet Balken-Weltmeisterin Pauline Schäfer noch vor dem WM-Auftakt zur tragischen Figur werden. «Nominieren gehört zu den unangenehmen Seiten des Trainerjobs», sagte Koch. Man entscheide sich, und die, für die man sich entscheide, seien glücklich. «Aber die anderen denken eben, ich habe mich gegen sie entscheiden. Aber es ist am Ende ihre Leistung, die entscheidet. Ich habe mich so entschieden, weil sie ihre Leistung nicht gebracht haben», betonte Koch. Alea iacta est, die Würfel sind gefallen. Spätestens am Donnerstag wissen wir mehr.
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